Innovativ neu, oder doch besser gut abgekupfert?
Nicht jeder der sich selbständig machen will hat das innovativ neue Produkt oder die neuartige geniale Dienstleistungsidee. In der Regel sind die meisten Ideen bereits irgendwann und irgendwo schon einmal aufgegriffen worden. Zum Teil sehr erfolgreich, teilweise sind die Geschäftsideen aber auch schnell wieder verschwunden. In Zusammenhang mit der persönlichen Kompetenz muss man sich also mehr als einmal überlegen ob und in welchen Bereichen man dem Wettbewerb voraus ist. Dabei gelten Alleinstellungsmerkmale wie “besonders guten Service” oder “schnelle Kundenbetreuung” nicht – dies sollte prinzipiell bei allen Selbständigen eine Grundvoraussetzung sein.
Wenn man also eine vorhandene Geschäftsidee nutzt, dann sollte der erste Gedanke sein wie man die bestehende Idee abändern und / oder erweitern kann. Und, im Hinblick auf die Tragfähigkeit auch in Zukunft, welche Chancen Ihr Produkt oder die Dienstleistung in zwei, drei oder mehr Jahren hat. Dazu kann man sich einfach vor Augen führen, wo der Markt für zukünftige Kunden ist, sprich: In welchen Branchen besteht ein Nachholbedarf, wo wird die Nachfrage zukünftig steigen?
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre, und der feststellbare Trend heute lässt folgende Branchen und Geschäftsmodelle als durchaus zukunftssicher erscheinen:
Bequemlichkeit
Wer nach acht oder mehr Stunden Arbeit nach Hause kommt, der möchte auch seinen Feierabend genießen. Nichts ist ihm unangenehmer als seine kostbare Freizeit mit den banalen Dingen des täglichen Lebens zu vergeuden. Hier organisatorisch zu helfen bedeutet einen Markt mit Zukunft zu erschließen.
Ein Beispiel aus der Versicherungsbranche: Die Allianz hat früher mit dem Spruch geworben: Alles aus einer Hand. Klar, für alle Versicherungsfragen musste man nur den freundlichen Herrn von der Allianz anrufen und schon war alles geklärt.
Diese Grundidee wurde von der Allianz vor einiger Zeit wieder neu aufgegriffen: Die Rundum-Sorglos-Versicherung. Wenn irgendetwas an Heim und Haus nicht funktioniert – nur eine Nummer, und die Versicherung schickt den entsprechenden Handwerker. Mal abgesehen vom Nutzen und dem Preis-Leistungsverhältnis einer solchen Police: sicherlich eine geschickte Idee.
Auch der Bereich des eCommerce kann man in die Gruppe Bequemlichkeit einsortieren. Gerade Konsumgüter lassen sich heutzutage problemlos per Internet vertreiben. Wer will sich schon die Mühe machen, und hat die Zeit hierzu, in zig Ladengeschäften sein Produkt zu kaufen. Tatsache ist, das eCommerce – oder nennen wir es einfach Versandhandel – seit Jahren stets steigende Umsatzzahlen vorzuweisen hat. Und das die Umsatzzahlen in diesem Bereich noch weiter steigen werden steht außer Frage.
Erlebnisorientierung
Hierzu zählen wir alles rund um das schöne Leben.
Auch wenn der Geldbeutel heutzutage nicht mehr ganz so locker sitzt wie in früheren Jahren, so zeigt sich, dass der Kunde von heute immer noch bereit ist für Besonderes sein mühsam angespartes Geld zu investieren. Gerade kleinere, überschaubare Kosten werden vom Kunden gerne angenommen. Sei es für ein spezielles Erlebnis-Training, eine gut organisierte Wochenendreise in Verbindung mit einem Highlight, oder für ein besonderes Mahl in einem Themen-Restaurant.
Auch der Bereich Wellness fällt hier rein, denn gerne lässt sich der gestresste Manager oder die überarbeitete Managerin ein Wochenende verwöhnen. Der Trend geht also zu erstklassigem Rundumservice in einem überschaubaren Zeitraum.
Geiz ist (nicht) geil!
Auch wenn es im ersten Moment dem vorherigen Punkt ein wenig widerspricht, auch hier tun sich in Zukunft erhebliche monetäre Volumen auf.
Unseren Erhebungen nach geht es den Kunden im Regelfall nicht um Billig, Billig, Billig, sondern einzig und allein um die Preiswertigkeit. Nur, wie will der Konsument den Überblick bewahren? Im Internet ? Dazu gibt es viel zu viele und unterschiedliche Ergebnisse (Warum auch immer). Was der Kunde braucht ist also eine fundierte und korrekte Antwort.
Wer als Produzent von Artikeln, Anbieter von Dienstleistungen oder Vertriebler von Waren auf dem Markt tätig werden möchte sollte allerdings beachten, dass sich in den vergangenen 20 Jahren das “mittlere Preissegment” immer mehr verringert hat. Sprich: der Konsument greift entweder zu ausgesprochenen “Sparpaketen” oder gleich zu “Spitzenprodukten”. Aldi brummt, BMW braucht sich auch nicht zu beklagen. Hier heißt die persönliche Überlegung: Hopp oder Top.
Kinder & Senioren
In unserer 1,3-Kinder-Gesellschaft werden diese umhegt und umpflegt wie nie zuvor.
Gerade durch die berufliche Einspannung sind Eltern gerne bereit Ihre Zöglinge anderweitig zu umhätscheln. Wir sprechen hier aber nicht nur von der neuesten Spielekonsole, sondern auch von gezieltem Mehrwert. Die Eltern heutzutage wissen wie wichtig eine gute Ausbildung für das spätere Weiterkommen Ihrer Zöglinge ist. Aus diesem Grunde sind sie gerne bereit in die Zukunft Ihrer Kinder zu investieren. Geschäftsideen rund um die Betreuung und Weiterbildung für Kinder und Jugendliche sind in den nächsten Jahren eine lohnende Angelegenheit.
Und auch am anderen „Ende“ gibt es ein hohes Potential: Die Rentner von heute (und morgen) sind immer agiler und umtriebiger. Manchmal sind es die Kleinigkeiten (spezieller Supermarkt für Senioren mit extra großen Preisschildern), manchmal die speziellen Angebote (Kontaktvermittlung für Senioren) die hier fehlen. Senioren sind eine dankbare Klientel. Wo sie gut beraten werden, wo sie Lösungen für spezielle Problemchen finden, und wo man sie nicht nur gut betreut sondern auch für voll nimmt, da kommen sie gerne hin, und das immer wieder.
Learning
Ohne Aus- und Weiterbildung geht es nicht. Über 75 Prozent der arbeitenden und arbeitsfähigen Menschen wissen dies. Ständige Weiterbildung sorgt für die Gewissheit, dass man für den Job alles tut, und so seine eigene Arbeitskraft wertvoller macht. Allerdings werden starre Strukturen ungern in Kauf genommen. Individuelle Lösungen nach Wissenstand und Zeitaufwand werden eindeutig bevorzugt. Stark im Trend sind dabei auch problemorientierte Ausbildungen, also alles was sich rund um die Tätigkeit und das Arbeitsleben an sich bewegt.
Und auch viele Firmen wissen inzwischen das Know-how Ihrer Mitarbeiter zu schätzen. So stecken deutsche Unternehmen pro Jahr rund 20 Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Diesen Firmen gute Konzepte und praktische Lösungsansätze im Bereich der Bildung anzubieten heißt mit an einem gewaltigen Kuchen zu knabbern.
und …
Nicht jedes hier nicht aufgeführtes Geschäftsmodell ist prinzipiell zum unabdingbaren Erfolg verurteilt. Es handelt sich hier um eine Bestandsaufnahme der vergangenen Jahre. Selbst Jahrzehnte alte Geschäftsideen, wie beispielsweise ein Menü-Bringservice können heute noch gehen (siehe Bequemlichkeit). Man sollte seine persönliche Geschäftsidee allerdings nach den oben aufgeführten Kriterien “abklopfen”. Vielleicht ergibt sich ja daraus die geniale Neuidee (Spezialitäten-Menü-Bringservice für Senioren, die mit Call-a-Pizza nichts anfangen können / wollen). Auch der inzwischen preislich nach unten getriebene und auftragslose Web-Designer muss nicht unbedingt verzweifeln. Was spricht dagegen sein Wissen über das Erstellen einer Homepage weiter zu vermitteln?
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